Mensch BER, wer hätte das gedacht

30.10.20 von Andreas Otto

Am 31.10. eröffnet das Wunderwerk.
Drehkreuz, Großflughafen, Berlin-Brandenburg International (BBI) was hatte der BER nicht alles für hochtrabende Namen. Jetzt ist er einfach ein Flugzeugbahnhof in Retrodesign. Probleme mit den Rolltreppen soll es immer noch geben, die Einrichtung ist verstaubt, manche Computer haben Windows XP. Aber er, also der BER, fährt hoch. Insbesondere dank Engelbert Lütke Daldrup, der aus der langen Reihe der Geschäftsführer positiv herausragt. Einen Anteil hat sicher auch, dass in den Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft auf bündnisgrünen Vorschlag hin im Jahr 2017 mit Prof. Norbert Preuss erstmalig (!) ein Technikprofi berufen wurde. Die falsch verlegten Elektroleitungen, die nicht zugelassenen Dübel, die Entrauchungsanlage – all diese technischen Fragen konnten gelöst werden. Daneben konnte die Organisation und vor allem die Vertragsgestaltung mit den Planungs- und Baufirmen verbessert werden. Falls sich jemand daran nicht erinnern kann: Der Knockout für das Projekt 2012 resultierte weniger aus den technischen Problemen als vielmehr aus Missmanagement und vor allem der Kündigung des Generalplaners gmp durch die Ministerpräsidenten von Berlin und Brandenburg. Die Flughafengesellschaft wurde erpressbar, und bei so manchen Firmen knallten die Sektkorken.

Und wie geht es weiter? Der BER eröffnet. Doch Probleme bleiben. Da ist die desolate Finanzlage. Die Gesellschafter, Berlin, Brandenburg mit je 37% und der Bund mit 26%, müssen mit dreistelligen Millionenbedarfen in den Folgejahren rechnen. Ob das unter dem beihilferechtlichen Blick der EU-Kommission erlaubt ist, wird sich zeigen. Die Alternativen heißen Insolvenz und Privatisierung. Und auch, ob die Einnahmesituation irgendwann in den positiven Bereich dreht.
Klar ist: Gerade am Weltspartag muss darauf hingewiesen werden, dass alle Investitionen auf den Prüfstand gehören. Erweiterungen des Flughafens verbieten sich, die Organisation muss schlank werden. Das zweite große Thema ist der Lärmschutz. Der bauliche Schallschutz für Anwohner muss besser und die Flugzeuge müssen leiser werden. Und wir brauchen die Nachtruhe. Bündnisgrünes Ziel bleibt nach wie vor: Ruhig schlafen von 22 bis 6 Uhr. Die ganz große Gegenwarts- und Zukunftsfrage aber ist auch für den BER die Klimanotlage. Flugverkehr ist Mitverursacher der Klimakatastrophe. Genauso wie die heimische Heizung, die Zementfabriken oder der Kohlestrom. Trotzdem gibt es Flughäfen und gelegentlich fliege ich auch irgendwo hin. Für den Flugverkehr wie bei allen anderen CO2-Erzeugern muss es nach den drei „E“ gehen.
+Einsparen: Weniger fliegen, dafür mehr Zug fahren und Videokonferenzen nutzen.
+Effizienz: Flugzeuge einsetzen, die weniger Treibstoff verbrauchen.
+Erneuerbare: Für die Luftfahrt müssen alternative Kraftstoffe her, zuerst grüner Wasserstoff, der aus Wind und Sonne hergestellt wird.

PS: Danke Tegel

 

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BER Berlin-Brandenburg